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Weniger Unfälle, höhere Beiträge: Warum Auto­ver­si­che­rungen immer teurer werden

Moderne Autos können heute Dinge, die vor einigen Jahren noch zur Oberklasse gehörten. Sie bremsen selbstständig, erkennen Fahrzeuge im toten Winkel, warnen beim Verlassen der Spur und helfen beim Einparken.

Eigentlich eine gute Entwicklung für die Kfz-Versicherung. Weniger Unfälle sollten schließlich auch weniger Schäden und damit langfristig niedrigere Beiträge bedeuten.

In der Praxis erleben Autofahrer seit einigen Jahren genau das Gegenteil. Die Beiträge zur Kfz-Versicherung sind deutlich gestiegen. Laut Verivox lagen die Preise im April 2025 im Durchschnitt rund 50 Prozent über dem Niveau von April 2022. Allein innerhalb eines Jahres stiegen sie nochmals um durchschnittlich 16 Prozent. citeturn406060view4

Wie passt das zusammen?

Die Antwort findet man vor allem in der Werkstatt.

Ein kleiner Unfall ist heute schnell ein großer Schaden

Ein Parkrempler mit beschädigtem Stoßfänger klingt zunächst nach einem überschaubaren Schaden. Bei einem modernen Auto kann daraus allerdings schnell eine Rechnung über mehrere Tausend Euro werden.

Der ADAC hat Anfang 2026 für verschiedene aktuelle Fahrzeuge typische Reparaturen kalkulieren lassen.

Beim VW Golf kostet ein angenommener Frontschaden beispielsweise rund 5.312 Euro. Ein Heckschaden liegt bei etwa 4.953 Euro. Selbst der Austausch der Windschutzscheibe wurde mit rund 2.474 Euro berechnet.

Noch deutlicher wird es bei anderen Fahrzeugen. Beim BMW 330e kommt der untersuchte Frontschaden auf rund 7.829 Euro, beim Volvo XC60 auf etwa 5.923 Euro. citeturn406060view3

Das sind keine Totalschäden. Es geht um Reparaturen nach vergleichsweise normalen Unfällen.

Warum Reparaturen so teuer geworden sind

Früher bestand ein Stoßfänger im Wesentlichen aus Kunststoff und den dahinterliegenden Bauteilen. Heute können dort Radarsensoren, Abstandssensoren und weitere Elektronik verbaut sein.

Ähnlich sieht es bei der Windschutzscheibe aus. Hinter ihr sitzen bei vielen Fahrzeugen Kameras für Spurhalteassistenten, Verkehrszeichenerkennung oder automatische Lichtsysteme.

Wird die Scheibe ausgetauscht, muss deshalb teilweise die komplette Kameratechnik anschließend neu eingestellt und kalibriert werden. Beim VW Golf und Audi A3 kalkulierte der ADAC allein für die Kalibrierung der Kameras rund 825 Euro netto. 

Auch moderne Scheinwerfer haben mit der früheren Halogenlampe wenig gemeinsam. LED-, Matrix- oder Laserscheinwerfer können als Ersatzteil mehrere Tausend Euro kosten.

Das bedeutet: Der eigentliche Unfall muss gar nicht besonders schwer sein. Sobald Sensoren, Kameras oder teure elektronische Bauteile betroffen sind, steigt die Rechnung erheblich.

Ersatzteile werden zusätzlich immer teurer

Die Technik allein erklärt die Entwicklung allerdings noch nicht.

Nach Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft sind die Preise für Pkw-Ersatzteile seit 2015 um mehr als 80 Prozent gestiegen.

Zum Vergleich: Die allgemeinen Verbraucherpreise erhöhten sich im gleichen Zeitraum um ungefähr 30 Prozent. 

Die Ersatzteilpreise haben sich damit wesentlich schneller entwickelt als die allgemeine Inflation.

Dazu kommen höhere Werkstattkosten, Lackierarbeiten, Diagnosearbeiten und die bereits erwähnte Kalibrierung elektronischer Systeme.

Für die Versicherer ist deshalb weniger interessant, wie viele Unfälle passieren. Entscheidend für die Kalkulation ist auch, was ein durchschnittlicher Schaden am Ende kostet.

Und genau dieser Betrag ist stark gestiegen.

Warum die Versicherer ihre Beiträge erhöhen mussten

Die Entwicklung lässt sich an den Geschäftszahlen der Kfz-Versicherer gut erkennen.

Über mehrere Jahre reichten die vereinnahmten Beiträge nicht aus, um Schäden und Kosten vollständig zu decken. Erst 2025 kam die Kfz-Versicherung branchenweit wieder in den versicherungstechnisch profitablen Bereich. Der GDV weist für die Kraftfahrtversicherung wieder eine Schaden-Kosten-Quote unter 100 Prozent aus.

Die sogenannte Combined Ratio oder Schaden-Kosten-Quote kann man relativ einfach erklären:

Liegt sie bei 100 Prozent, werden 100 Euro Beitrag eingenommen und gleichzeitig 100 Euro für Schäden und Kosten ausgegeben.

Liegt sie über 100 Prozent, macht der Versicherer im eigentlichen Versicherungsgeschäft Verlust.

Die starken Beitragserhöhungen der vergangenen Jahre waren daher zu einem erheblichen Teil eine Reaktion auf die gestiegenen Schadenkosten.

2025 half zusätzlich ein vergleichsweise ruhiges Jahr bei Sturm, Hagel, Blitz und Überschwemmungen. Die deutschen Kfz-Versicherer zahlten für Naturgefahrenschäden rund 650 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch etwa 1,2 Milliarden Euro

Ein einziges schweres Hageljahr kann diese Rechnung allerdings schnell wieder verändern.

Assistenzsysteme helfen trotzdem

Man könnte nun auf die Idee kommen, dass die ganze moderne Technik nichts bringt. Das wäre falsch.

Assistenzsysteme verhindern tatsächlich Unfälle.

Nach einer aktuellen Untersuchung des GDV könnte die Anzahl der Schäden bis zum Jahr 2040 durch Fahrerassistenz und automatisierte Fahrfunktionen um etwa 9 bis 14 Prozent sinken.

Parkassistenten vermeiden Rangierschäden. Notbremsassistenten reduzieren Auffahrunfälle. Spurwechselassistenten können Kollisionen beim Einscheren verhindern. citeturn406060view1

Das Problem liegt an anderer Stelle: Die Schäden, die trotzdem passieren, werden immer teurer.

Der GDV geht davon aus, dass moderne Technik selbst zusätzliche Reparaturkosten verursacht. Bei einer Windschutzscheibe mit Assistenzsystemen liegen die Kosten beispielsweise rund 15 Prozent höher, weil Kameras oder Sensoren bearbeitet und anschließend kalibriert werden müssen. citeturn406060view1

Wir werden also vermutlich weniger Unfälle sehen. Gleichzeitig kann der einzelne Unfall wesentlich mehr kosten.

Was bedeutet das für die nächsten Jahre?

Eine schnelle Rückkehr zu den Kfz-Beiträgen von vor fünf oder zehn Jahren halte ich deshalb für eher unwahrscheinlich.

Der GDV hat verschiedene Szenarien bis 2040 berechnet. Wenn sich Reparaturpreise langfristig ähnlich entwickeln wie in den vergangenen Jahren, könnte der gesamte Schadenaufwand trotz verbesserter Sicherheitstechnik erheblich steigen. Bei einer unterstellten jährlichen Kostensteigerung von 3,7 Prozent errechnet der Verband bis 2040 einen Anstieg des Schadenaufwands um 64 bis 75 Prozent. 

Solche langfristigen Prognosen sollte man natürlich mit Vorsicht betrachten. Niemand weiß heute, wie Ersatzteilpreise, Werkstattkosten oder Fahrzeugtechnik im Jahr 2040 tatsächlich aussehen werden.

Die grundsätzliche Entwicklung ist aber bereits heute sichtbar.

Trotzdem lohnt sich ein Vergleich

Steigende Kosten bedeuten nicht, dass jeder Versicherer seine Beiträge im gleichen Umfang erhöht.

Genau hier wird es für Autofahrer interessant.

Versicherungsgesellschaften kalkulieren Fahrzeuge, Fahrergruppen und Regionen unterschiedlich. Ein Versicherer kann für denselben Kunden deutlich günstiger sein als ein anderer. Auch Vergleichsportale stellte bereits 2025 erhebliche Preisunterschiede zwischen günstigen Angeboten und Tarifen aus dem mittleren Preissegment fest. 

Ein Vergleich kann deshalb sinnvoll sein. Dabei sollte allerdings nicht ausschließlich auf den Beitrag geschaut werden.

Wichtig sind unter anderem:

  • die Höhe der Selbstbeteiligung

  • Werkstattbindung

  • grobe Fahrlässigkeit

  • Tier- und Marderfolgeschäden

  • Neuwert- beziehungsweise Kaufpreisentschädigung

  • Schutz bei Zusammenstößen mit Tieren

  • Fahrerkreis und angegebene Fahrleistung

  • mögliche Rabattschutzregelungen

  • Leistungen bei Elektro- und Hybridfahrzeugen

Ein Tarif, der 80 Euro im Jahr günstiger ist, kann bei einem größeren Schaden schnell die schlechtere Wahl sein.

Mein Fazit

Autos werden sicherer. Das hilft dabei, Unfälle zu vermeiden und Verletzungen zu reduzieren.

Für die Beiträge zur Kfz-Versicherung reicht dieser Effekt bisher allerdings nicht aus.

Ersatzteile, Werkstattstunden und moderne Fahrzeugtechnik haben Reparaturen erheblich verteuert. Sensoren, Kameras und elektronische Bauteile sorgen dafür, dass selbst ein relativ kleiner Unfall heute schnell mehrere Tausend Euro kosten kann.

Deshalb können gleichzeitig zwei Dinge passieren: Die Zahl der Unfälle sinkt und die Kfz-Versicherung wird trotzdem teurer.

Gerade bei steigenden Beiträgen lohnt es sich deshalb, den bestehenden Vertrag regelmäßig zu überprüfen. Dabei sollte es um Preis und Leistung gehen. Denn günstig ist eine Kfz-Versicherung am Ende nur dann, wenn sie auch im Schadenfall das leistet, was man von ihr erwartet.


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